Lesezeit: 2 MinLesezeit

Design Thinking - Dem Nutzer auf der Spur

Design Thinking ist ein Konzept zur kreativen Problemlösung. Es wurde von David Kelley, Terry Winograd und Larry Leifer entwickelt. Leifer ist Gründer der Design- und Innovationsagentur IDEO.

Darum geht es

Design Thinking ist eine Herangehensweise, mit der Probleme aus vielen Lebensbereichen gelöst werden können. Der Grundgedanke: In interdisziplinären Teams führen die unterschiedlichen Lebenserfahrungen der Teammitglieder zu besseren Lösungen als in homogenen Gruppen. Design Thinking orientiert sich immer an den Menschen, für die das Produkt entwickelt wird. Das bedingt ein tiefes Verständnis der Zielgruppe. Auch deswegen ist es von Vorteil, mögliche Lösungen aus vielen verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten und zu bewerten. Die gefundene Lösung wird validiert, also auf ihre Eignung für den gedachten Zweck überprüft. Dafür entwickelt das Team einen oder mehrere Prototypen, die anschließend iterativ verbessert werden – also so oft überprüft und korrigiert werden, bis das beste Ergebnis gefunden wurde. Beim Desing Thinking ist das konkrete Machen wichtiger als das Theoretisieren.

Dafür eignet es sich

Seine Ursprünge hat das Design Thinking im Industrie-Design. Aus den dort verwendeten Methoden entstand diese Vorgehensweise für die Entwicklung innovativer Produkte. Mit Design Thinking können aber ebenso Dienstleistungen entwickelt und Lösungen für andere, eher komplexe Problemstellungen gefunden werden. Das sind die Vorteile Ein wichtiges Element des Design Thinking ist die Zusammenstellung eines heterogenen Teams. Das bringt ein breit gefächertes Wissen und eine hohe Problemlösungskompetenz mit. Die persönlichen Erfahrungen der Teammitglieder ergänzen das vorhandene Fachwissen. Während der gemeinsamen Arbeit an der Problemlösung entwickeln sich in der Regel automatisch auch eine gemeinsame Sprache und ein gemeinsames Verständnis der Aufgabe. Das Ergebnis wird mithilfe mehrerer Iterationen kontinuierlich verbessert. Daher passt dieser Ansatz sehr gut zu einer agilen Vorgehensweise, die kundennah und praxisorientiert arbeitet – auch außerhalb der IT-Branche.

Und so geht Design Thinking

In sechs Phasen erarbeitet Dein Team eine Lösung:

1. Verstehen

Zu Beginn versucht Ihr, in der Phase Verstehen die Bedürfnisse des Kunden beziehungsweise des Anwenders möglichst vollständig zu erfassen. Fragestellungen sind beispielsweise:

  • Wie hängt das Problem mit den Lebens- oder Arbeitsumständen der Zielgruppe zusammen?
  • Von wem oder was wird das Problem beeinflusst?
  • Welche Zusammenhänge gibt es zu anderen Gegebenheiten?

Diese erste Phase soll alle Teammitglieder auf den gleichen Kenntnisstand bringen. Dabei hat es sich bewährt, ein gemeinsames Glossar anzulegen.

2. Beobachten

In der Phase Beobachten besucht ihr Nutzer oder Betroffene und taucht in den Alltag der relevanten Interessensgruppen ein. Ihr versucht also, Euch vor Ort ein möglichst umfassendes und vorurteilsfreies Bild von der Zielgruppe und ihren Bedürfnissen zu machen. Denn: Für die Problemlösung müsst Ihr zunächst verstehen, warum das Problem existiert und worin es genau besteht. Es kann auch sehr hilfreich sein, mit Menschen zu sprechen, die nicht unmittelbar betroffen sind. Oft haben sie einen frischen, vorurteilsfreien Blick auf die Dinge. Gibt es analoge Problemsituationen, solltet Ihr diese erkunden und deren Lösungen ansehen. Anschließend sammelt Ihr alle Daten und Erkenntnisse, die Ihr aus dieser Beobachtung gewonnen habt.

3. Sichtweise definieren

In der Phase Sichtweise definieren legt Ihr Euren Standpunkt bezüglich des Problems fest. Hierfür tragt Ihr Eure gewonnenen Einsichten zusammen und verdichtet sie. Ihr berichtet den anderen Teammitgliedern von Euren Erlebnissen und Erkenntnissen. Je lebendiger Ihr Euch gegenseitig Eure Geschichten erzählt, umso intensiver der Lernprozess und größer das Verständnis der gesamten Gruppe. Verknüpft in diesem Dialog alle Informationen zu einem gemeinsamen Gesamtbild und fasst die Daten anschließend zusammen. Ziel ist eine möglichst große gemeinsame Wissensbasis. In dieser Phase werdet Ihr wahrscheinlich wiederkehrende Muster erkennen – oder auch widersprüchliche Beobachtungen machen. Visualisiert Euer gewonnenes Wissen zum Abschluss mit Grafiken, Skizzen oder Collagen. Auf diese Weise könnt Ihr es leichter weitergeben und für Euch selbst dokumentieren.

4. Ideen finden

In der Phase Ideen finden entwickelt Ihr zunächst eine Vielzahl von Lösungsmöglichkeiten. Hierfür könnt Ihr Euch verschiedener anderer Methoden bedienen. Anschließend sortiert Ihr Eure Ideen und fasst ähnliche Beiträge zusammen. Aus den verbliebenen Vorschlägen sucht Ihr die vielversprechendsten aus. Die Kriterien, die Ihr dazu verwendet, sind

  • Attraktivität
  • Umsetzbarkeit
  • Wirtschaftlichkeit

Mit Blick auf den Anwender solltet Ihr das Kriterium Attraktivität etwas stärker gewichten als die anderen beiden.

5. Prototypen entwickeln

Beim anschließenden Prototypen entwickeln geht es darum, aus Euren Ideen greifbare Lösungen zu machen. Prototypen können viele verschiedene Formen annehmen: vom schlichten Papierentwurf über ein anschauliches 3D-Modell aus dem Drucker bis hin zum Storytelling ist alles möglich. Alles ist erlaubt, was der Zielgruppe hilft, Eure Idee oder Ideen zu verstehen.

6. Testen

Sobald die Prototypen fertig sind, stellt Ihr sie in der Test-Phase Vertretern Eurer Zielgruppe vor. Mit ihrem Feedback könnt Ihr Eure Prototypen weiter verbessern, sie dann wieder vorstellen und weiter verbessern, bis Ihr und Eure Zielgruppe von dem gefundenen Ergebnis überzeugt seid (Iteration). Manchmal ergibt das Feedback in dieser letzten Phase des Design Thinking aber auch, dass Ihr einen oder mehrere Prototypen verwerfen müsst …

Artikel von Erik Möser, Foto von Pressmaster | stock.adobe.com

Mehr zu dem Thema

27.01.20212 MIN Lesezeit

Die Stage-Gate®-Methode - Schritt für Schritt zum innovativen Produkt

Das Stage-Gate®-Modell wurde von Robert G. Cooper entwickelt, um Innovations- und Entwicklungsprozesse zu optimieren. ...

weiterlesen
11.11.20204 MIN Lesezeit

Die Kano-Methode: Komplex, aber nah am Kunden

Die Produkteigenschaften auf die Erwartungen der Kunden abstimmen. ...

weiterlesen
06.10.20201 MIN Lesezeit

Die Eisenhower-Methode: Wichtig kommt vor dringend

Von der Kunst, zwischen Wichtigkeit und Dringlichkeit zu unterscheiden. ...

weiterlesen